Worum geht es 2026 wirklich?
Die Frage „Pi oder Mini-PC?” hat sich 2026 deutlich verschärft, weil beide Plattformen massiv aufgeholt haben. Der Pi 5 ist mit Broadcom BCM2712 (4× Cortex-A76 mit 2,4 GHz) erstmals leistungsstark genug für ernsthafte Heimserver-Workloads — PCIe-2.0-x1 erlaubt NVMe-Boots, RAM-Bandbreite ist deutlich höher als beim Pi 4. Gleichzeitig ist der Mini-PC-Markt mit Intel N100 (Alder-Lake-N) explodiert — Beelink Mini S12 Pro, GMKtec Nucbox, Trigkey Speed S — alle bieten echtes x86-Computing mit Hardware-Transcoding für unter 300 Euro.
Der Vergleich ist 2026 nicht mehr „klein und billig vs gross und teuer”, sondern „stromsparend ARM ohne Hardware-Beschleunigung vs effizient x86 mit QuickSync”.
Hardware im Direktvergleich
| Merkmal | Raspberry Pi 5 (8 GB) | Beelink Mini S12 Pro (N100) |
|---|---|---|
| CPU | Broadcom BCM2712 (4× Cortex-A76, 2,4 GHz) | Intel N100 (4C/4T, 3,4 GHz Boost) |
| Architektur | ARM 64-bit | x86-64 (Alder-Lake-N) |
| CPU-Leistung (PassMark) | ca. 1500 (Single ~ 600) | ca. 5400 (Single ~ 1900) |
| RAM Standard | 8 GB LPDDR4X (nicht aufrüstbar) | 16 GB DDR4-3200 SO-DIMM |
| RAM max. | 8 GB (auf Board verlötet) | 32 GB DDR4 |
| iGPU | VideoCore VII (kein Plex-HW-Transcoding) | Intel UHD 24-EU (QuickSync 12. Gen) |
| Hardware-Transcoding | nur teilweise via FFmpeg, nicht in Plex | H.264, HEVC, AV1-Decode in Plex / Jellyfin |
| Speicher | 1× microSD + 1× M.2 NVMe (über HAT) | 1× M.2-2280 NVMe (PCIe 3.0) |
| Netzwerk | 1× Gigabit-Ethernet | 1× 2,5-GbE (Realtek) |
| USB | 2× USB 3.0 + 2× USB 2.0 | 4× USB-A 3.0 + 1× USB-C |
| Gehäuse-Volumen | ca. 90 × 60 × 25 mm | ca. 115 × 102 × 39 mm |
| Idle-Strom | 4-7 W | 6-9 W |
| Last-Strom | 8-12 W | 18-25 W |
| Preis (Stand 2026) | 75-100 Euro Board + 30-50 Euro Zubehör | 220-300 Euro komplett |
Fazit Hardware. Der N100 gewinnt bei reiner CPU-Leistung deutlich (~ 4-6x schneller im Multi-Thread, ~ 3x im Single-Thread), bei RAM-Kapazität (16 vs 8 GB), bei Netzwerk (2,5-GbE vs 1 GbE) und bei Plex-Hardware-Transcoding (komplett vs gar nicht). Der Pi 5 gewinnt bei Idle-Strom (4-7 W vs 6-9 W), bei Größe (etwa halb so groß) und beim Preis (Komplett-Setup ab 105 Euro vs 220 Euro).
CPU-Performance — was die 4-6x-Differenz im Alltag bedeutet
Der Intel N100 erreicht in PassMark CPU Mark etwa 5400 Punkte, der Pi 5 etwa 1500 — das ist ein Faktor von rund 3,5x in Multi-Core-Performance. In Single-Core-Last (wichtig für viele Container-Workloads) liegt der N100 bei ~ 1900 Punkten, der Pi 5 bei ~ 600 — Faktor 3.
Was das praktisch heisst:
- Photoprism / Immich-Indexing. Eine 30.000-Foto-Library auf dem Pi 5 indexieren dauert 8-12 Stunden. Auf dem N100 sind es 2-3 Stunden.
- Nextcloud-Performance. Pi 5 ist für 1-3 aktive Nutzer mit gelegentlichen Uploads ausreichend. N100 schafft 5-10 Nutzer parallel ohne Ruckler.
- Frigate-NVR. Pi 5 schafft eine Kamera mit Detect-Stream auf 5 fps. N100 mit OpenVINO schafft 2-3 Kameras mit 10 fps oder mehr.
- Home Assistant. Beide schaffen HA mühelos — auch der Pi 5 ist hier nie limitierend, selbst mit 100+ Geräten.
- Plex / Jellyfin Direct Play (kein Transcoding). Beide schaffen das problemlos — Pi 5 streamt 4K-HEVC-Direct-Play an Apple TV, Roku, Smart-TV.
Plex-4K-Transcoding — der klare Knockout
Hier ist die Entscheidung am eindeutigsten. Der Intel N100 hat Intel UHD-Graphics 24-EU der 12. Generation — das ist QuickSync mit voller HEVC- und AV1-Decode-Pipeline. Eine 4K-HEVC-zu-1080p-H.264-Transcode-Session frisst auf dem N100 etwa 3-6 Prozent CPU-Last — bis zu 6-8 parallele Streams sind realistisch. Der Pi 5 hat einen VideoCore VII, der zwar HEVC dekodieren kann, aber die FFmpeg- und Plex-Pipeline für ARM-Hardware-Transcoding ist 2026 immer noch unausgereift. In der Praxis bedeutet das: Plex auf dem Pi 5 läuft nur in Software-Transcoding-Mode — und das stockt bei 4K-HEVC-Quellen schon nach wenigen Sekunden.
Wenn du nur Direct-Play machst (Client kann das Format nativ abspielen, kein Transcoding nötig), reicht der Pi 5 völlig — er streamt mehrere parallele 4K-HEVC-Direct-Play-Sessions ohne Probleme an passende Clients (Apple TV 4K, Nvidia Shield, neuere Smart-TVs).
Wenn du transcodest (alte iPads, Smartphones im Mobilnetz, Smart-TVs ohne HEVC-Support), ist der Pi 5 ungeeignet. Dann ist ein Intel-N100-Mini-PC die richtige Wahl.
Docker auf ARM vs x86 — Container-Verfügbarkeit 2026
Die Befürchtung „auf ARM läuft die Hälfte meiner Container nicht” ist 2026 weitgehend obsolet. Die wichtigsten Image-Quellen für Heimserver — LinuxServer.io, official Docker Hub, Home Assistant Container — liefern fast alle ihre Images als Multi-Arch-Images (amd64 + arm64). Konkrete Stichprobe (Stand 2026):
Läuft auf beiden ohne Anpassung:
- Pi-hole, AdGuard Home, Unbound
- Home Assistant Container, Mosquitto, Zigbee2MQTT, ESPHome
- Nextcloud, Vaultwarden, Bitwarden, FileBrowser
- Jellyfin, Emby (Plex offiziell auch als ARM64)
- Photoprism, Immich (mit Einschränkungen bei ML-Features)
- Uptime Kuma, Watchtower, Portainer
- Traefik, Caddy, Nginx Proxy Manager
- WireGuard, Tailscale, Headscale
Nur auf x86 oder mit deutlichem Performance-Verlust auf ARM:
- Frigate mit OpenVINO-Backend (OpenVINO ist Intel-Tech, läuft auf Pi 5 nur mit CPU-Backend, sehr langsam)
- Immich-ML mit GPU-Beschleunigung (CUDA / OpenVINO fehlt auf Pi 5)
- TrueNAS Scale (offiziell nur x86)
- Proxmox VE (offiziell nur x86)
- Software, die explizit Intel- oder AMD-Optimierungen voraussetzt
Faustregel. Wenn dein Stack rein aus klassischen Heimserver-Containern besteht, läuft er problemlos auf beiden. Sobald Hardware-Beschleunigung oder ML-Inference dazu kommt, gewinnt x86 deutlich.
Stromverbrauch im Jahresvergleich
Bei 0,30 Euro / kWh (deutscher Strompreis 2026):
| Plattform | Idle (24/7) | Idle-Stromkosten / Jahr | Last (4 h / Tag) | Mischkosten / Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Raspberry Pi 5 | 5 W | ~13 Euro | 10 W | ~16 Euro |
| Beelink Mini S12 Pro | 7 W | ~18 Euro | 22 W | ~26 Euro |
Differenz pro Jahr: Etwa 10-15 Euro zugunsten Pi 5. Über 5 Jahre Betrieb: ~ 50-75 Euro Stromdifferenz. Bei einem Hardware-Preisunterschied von 120-200 Euro (Komplett-Setup) gleicht sich die Hardware-Differenz nie aus, wenn man den Strom alleine betrachtet — der Pi gewinnt aber bei sehr niedrigem Workload-Profil und 5+ Jahren Betrieb leicht.
Wichtig. Wer den Server überwiegend idle laufen lässt (klassischer Pi-hole-Use-Case), profitiert von der Pi-5-Effizienz. Wer ihn unter Last betreibt (Plex, Frigate, Photoprism), läuft ohnehin oft im 18-25-W-Bereich — dort ist der N100 effizienter pro geleistete CPU-Operation.
RAM, Speicher und I/O — was im Alltag wirklich limitiert
RAM. Der Pi 5 ist mit 8 GB LPDDR4X auf Board verlötet — kein Upgrade möglich. Wer 4-5 grössere Container gleichzeitig laufen lässt (Home Assistant + Plex + Photoprism + Nextcloud + Frigate), kommt auf dem Pi schnell an die Grenze. Der N100-Mini-PC hat 16 GB DDR4 standardmäßig und lässt sich auf 32 GB aufrüsten — entspannter Headroom.
Speicher. Pi 5 mit M.2-HAT+ erlaubt PCIe-2.0-x1-NVMe (Praxis-Geschwindigkeit ca. 600-800 MB/s lesend). Beelink hat PCIe-3.0-x4-NVMe (Praxis ca. 2500-3500 MB/s). Für klassische Heimserver-Workloads ist beides mehr als ausreichend — bei Plex / Frigate spielt nur die Daten-HDD-Bandbreite eine Rolle.
Netzwerk. Pi 5 hat 1× Gigabit-Ethernet (Praxis ~ 110 MB/s). Beelink hat 2,5-GbE-Realtek (Praxis ~ 250-280 MB/s, wenn der Switch und das Gegenende mitziehen). Wer grosse Datenmengen ins NAS / vom NAS schiebt, profitiert deutlich vom 2,5-GbE.
SATA / Disk-Bays. Beide haben keinen direkten SATA-Anschluss. Wer Disk-Pools mit 3,5-Zoll-HDDs braucht, sollte zu ODROID H4 (4× SATA) oder einem Mini-ITX-Build greifen.
Software-Setup — wo die Plattformen sich unterscheiden
Raspberry Pi 5. Pi-OS (Debian-basiert), DietPi (schlanker), Ubuntu Server 24.04 ARM64, HomeAssistant OS (offiziell unterstützt). Setup typisch: SD-Karte / NVMe flashen, Headless-Konfiguration, SSH aktivieren, Docker installieren. Für Anfänger: Pi-OS mit Docker und Portainer ist in 30 Minuten einsatzbereit.
Mini-PC mit N100. Vorinstalliertes Windows 11 (kann gelöscht werden), DietPi auf x86, Debian 12, Ubuntu Server 24.04 LTS, Proxmox VE 8, TrueNAS Scale 24.10, Unraid 7. Setup typisch: USB-Stick mit OS-Image flashen, BIOS auf Auto-Power-On stellen, SSH aktivieren. Vorteil: Ein Mini-PC kann nativ Proxmox laufen lassen und 3-4 VMs parallel hosten — auf dem Pi 5 sind VMs technisch möglich, aber Performance-limitiert.
Welcher Heimserver passt zu welchem Anwender?
- Pi-hole-Familie + Home Assistant + 5-10 kleine Container → Raspberry Pi 5 mit 8 GB
- Plex-Mediathek mit 4K-Transcoding für 1-3 Clients → Beelink Mini S12 Pro mit N100
- Frigate-NVR mit 1-3 Kameras → Mini-PC mit N100
- Bastler mit Strompreis-Optimierung als Top-Priorität → Pi 5
- Docker-Stack mit 15-30 Containern und 4 GB RAM-Bedarf → Mini-PC mit N100
- VPN-Endpunkt + DNS-Filter ohne weitere Workloads → Pi 5 (oder gebrauchter Mini-PC)
- Lerner / Schüler mit GPIO-Bedarf → Pi 5
- TrueNAS / Proxmox als Plattform → x86 (Mini-PC oder Eigenbau)
+ Pro
- Pi 5: 4-7 W idle — etwa 50 Prozent weniger Strom als Mini-PC
- Pi 5: Sehr aktive Community + GPIO für Hardware-Bastler
- N100-Mini-PC: 4-6x schnellere CPU + 16 GB RAM standardmäßig
- N100-Mini-PC: Plex 4K-Transcoding + 2,5-GbE serienmäßig
− Contra
- × Pi 5: Kein Plex-Hardware-Transcoding
- × Pi 5: RAM nicht aufrüstbar (max 8 GB)
- × N100-Mini-PC: Höherer Anschaffungspreis (220-300 Euro)
- × N100-Mini-PC: Realtek-2,5-GbE weniger robust als Intel
Kauf-Empfehlung 2026
Wer das Hardware-Budget schmal halten will und keine Hardware-Beschleunigung braucht: Raspberry Pi 5 mit 8 GB, dazu Argon-NEO-5-Gehäuse mit Lüfter und 256-GB-NVMe über PCIe-HAT — Komplett-Setup um 130 Euro.
Wer Plex / Jellyfin / Frigate plant oder einen flexibleren Docker-Stack mit 16 GB RAM betreiben will: Beelink Mini S12 Pro mit Intel N100, 16 GB DDR4 und 500 GB NVMe — Komplett-Setup ab 250 Euro.
Hybrid-Setup bei vorhandenem Pi. Wer schon einen Pi 4 / Pi 5 für Pi-hole im Einsatz hat, sollte den Pi für DNS-Filter und Home Assistant beibehalten und einen Mini-PC dazu kaufen für Plex / Frigate / NAS-Workloads. Zwei kleinere Geräte sind bei Stromverbrauch ähnlich wie ein grosses Allround-System, bringen aber Redundanz — fällt der Mini-PC aus, läuft das Internet weiter.
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Häufige Fragen
01 Reicht ein Raspberry Pi 5 als Heimserver für Plex?
02 Wie viel Strom spart ein Pi 5 gegenüber einem Mini-PC mit N100?
03 Laufen alle Docker-Container auf dem Pi 5?
04 Welcher Mini-PC mit N100 ist 2026 die beste Wahl?
05 Pi 5 oder Mini-PC für Home Assistant?
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